Wie ein Unwetter Millionenschäden im Münstertal anrichtete

Genau 30 Jahre ist es her, dass das Münstertal von einem schweren Hagelunwetter heimgesucht wurde. Es verursachte Schäden in Millionenhöhe. Die Hagelkörner waren so groß wie Hühnereier.

Heruntergerissene Dachziegel und mit Planen abgedeckte Dächer: Aufnahmen aus dem Jahr 1986 zeigen die Schäden, die das Unwetter im Münstertal hinterlassen hat. Foto: Kloster

Hühnereiergroße Hagelkörner beschädigten zahlreiche Dächer, Fensterscheiben und im Freien abgestellte Fahrzeuge. Insbesondere der Ortsteil Münster mit dem Kloster St. Trudpert und der Pfarrkirche waren neben zahlreichen privaten Hausbesitzern vom Unwetter betroffen, das eine Schneise der Verwüstung hinterließ.

Das Kloster wurde besonders hart getroffen

In den Aufzeichnungen des Klosters St. Trudpert wurde treffend festgehalten: „Als hätte eine Bombe eingeschlagen“, so sah es nach dem Hagelgewitter am Sonntag, 17. August 1986 in den betroffenen Bereichen und rund um Kloster und Pfarrkirche aus. Es war heiß und schwül an jenem Sonntag, als sich gegen 19 Uhr über der Gemeinde ein Unwetter mit Hagelschlag und Starkregen entlud, das innerhalb kurzer Zeit für Chaos sorgte. Hagelkörner, so groß wie Tennisbälle, fielen vom Himmel und zerstörten innerhalb von Minuten zahlreiche Ziegel- und Glasdächer, zertrümmerten Fensterscheiben und zerbeulten mehrere Hundert Autos, insbesondere auch auf dem Campingplatz.

Am stärksten betroffen von dem Unwetter war der Ortsteil Münster-Prestenberg, wo zahlreiche Dächer beschädigt und abgedeckt wurden. Die herabgestürzten und vor den Häusern oder auf der Straße aufgeschütteten Berge von kaputten Ziegeln machten das Ausmaß der Schäden deutlich. In besonders drastischer Weise boten das Kloster St. Trudpert mit dem damaligen Altersheim und der Pfarrkirche ein Bild der Verwüstung. Die Dächer waren ohne Ziegel, das Gewächshaus ein Trümmerhaufen, das Dach des Pfarrhauses durchlöchert, ebenso wie das Längsschiff der Pfarrkirche.

Mehr als 300.000 Ziegel mussten in kurzer Zeit beschafft werden

Die auf den Dächern verbliebenen, jedoch zerbrochenen Ziegel mussten in mühevoller Handarbeit abgeräumt und beseitigt werden. In den Wochen nach dem Unwetter waren die betroffenen Gebiete und insbesondere das Kloster eine nicht zu übersehende Baustelle. Zunächst mussten jedoch die beschädigten Dächer provisorisch mit Planen abgedeckt werden, wozu sowohl die örtliche Feuerwehr als auch benachbarte Wehren und sonstige Rettungsorganisationen sowie zahlreiche freiwillige Helfer im Einsatz waren, um die schlimmsten Schäden zu mindern. Mehrere Dachdeckerfirmen waren anschließend damit beschäftigt, die Dächer wieder neu einzudecken, wozu schätzungsweise über 300.000 Ziegel in kurzer Zeit beschafft werden mussten.

Im Kloster drohte infolge eindringenden Regenwassers Brandgefahr durch Kurzschluss, weshalb sich die dortigen Schwestern während der Nacht zu Kontrollgängen einteilten. Da nach dem Hagel Regen einsetzte, musste auch in den Tagen danach Wasser abgeschöpft werden, um ein Eindringen in die unterliegenden Räume zu vermeiden. Bei all den Aktionen kamen keine Personen zu schaden, weshalb die damalige Oberin des Klosters, Schwester Adelgundis, im Rückblick dankbar feststellte: „Wir danken Gott, dass niemand verletzt wurde, das Material kann ersetzt werden.“ In einem späteren Rückblick heißt es weiter: „St. Josef, unser Schutzpatron, hat seine Vaterhand über uns gehalten.“

Am vergangenen Sonntagmorgen fand deshalb in der Klosterkirche St. Trudpert auch ein Dankgottesdienst statt. Diesem wohnte auch der frühere Leiter des Freiburger Landesdenkmalamtes Wolfgang Stopfel bei. Er war an jenem Gewitterabend von Freiburg aus hoch ins Münstertal gefahren, um bei der Schadensbekämpfung mitzuhelfen.

Neben den zahlreichen Privathäusern und dem Kloster wurde auch die Pfarrkirche stark in Mitleidenschaft gezogen. Insbesondere das Dach der Kirche wurde auf der Nordseite stark beschädigt und musste neu eingedeckt werden, ebenso wie die Westseite des Pfarrhauses. Infolge der zertrümmerten Dachziegel drang viel Wasser in den Dachstuhl der barocken Pfarrkirche ein und gefährdeten die Gips- und Stuckdecken sowie die Fresken.

Herbert Pfefferle, der damalige Bauhofleiter der Gemeinde und Angehöriger der Feuerwehr, erinnert sich heute noch lebhaft daran, wie Sägemehl auf der Gewölbedecke des Kirchenschiffes aufgebracht wurde, um das eindringende Wasser aufzusaugen, nachdem auf dem Dachboden zuvor große Planen ausgelegt worden waren. Pfefferle sagt noch heute: „So etwas habe ich noch nicht erlebt.“ Trotzdem verursachte die entstandene Feuchtigkeit Flecken und Schimmel an Decken und Fresken, deren Restaurierung schwierig war; die Schadensbehebung dauerte daher bis in die Jahre 1988/89. Insgesamt entstanden durch das Hagelunwetter und die anschließenden starken Regenfälle Schäden in Millionenhöhe, die inzwischen zwar längst behoben wurden, jedoch in Münstertal bis heute, 30 Jahre danach, in Erinnerung geblieben sind.
Quelle: Badische Zeitung