Rufbereitschaft funktioniert

Gutachter hat Münstertäler Feuerwehr unter die Lupe genommen / Tagesbereitschaft problematisch.

Jetzt kann mit dem Ausbau des Feuerwehrhauses im unteren Münstertal begonnen werden. Foto: Manfred Lange

MÜNSTERTAL. Gute Bewertung für die Ruf- und Einsatzbereitschaft, Defizite bei der Tagesbereitschaft – das sind zwei der Punkte, die in der Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans in Münstertal enthalten sind. Ein externer Gutachter hatte den Plan im Auftrag der Gemeinde fortgeschrieben. Projektleiter Patrik Habeth von der Firma Forplan in Bonn stellte das 125-seitige Werk im Gemeinderat vor.

Die Weichen für den Ausbau des Feuerwehrgerätehauses im Gufenbachweg im unteren Münstertal waren schon im Herbst vergangenen Jahres gestellt worden. Doch der Gemeinderat hatte noch das Ergebnis der Fortschreibung des Feuerwehrbedarfsplans abwarten wollen, bevor er die Arbeiten für den Ausbau in Auftrag gibt. Wichtige Datengrundlagen hatte die Firma Forplan bei der Gemeindeverwaltung und den Wehrleuten abgefragt und in das Gutachten eingearbeitet. Schwerpunkte bildeten dabei die Personendaten der Freiwilligen Feuerwehr Münstertal ebenso wie die Daten zu den vorhandenen Feuerwehrgebäuden, zu den Einsatzfahrzeugen sowie zu den Einsätzen.

Ein ganz wichtiger Aspekt des Gutachtens war die Ruf- und Einsatzbereitschaft der Wehrleute. Nach Auswertung der abgegebenen Personalfragebogen können 13 (im Ort wohnende und beschäftigte) Personen nach fünf Minuten am Feuerwehrdepot sein, so dass nach zehn Minuten bereits 90 Prozent der bewohnten Siedlungsfläche von den Einsatzkräften erreicht werden könnten. Wäre dies nicht der Fall, müsste an eine hauptberufliche Lösung gedacht werden, die das Mehrfache im Vergleich zur Freiwilligen Wehr kosten würde.

Noch nicht optimal und verbesserungsfähig sind dem Gutachten zufolge die Abgasabsauganlagen in beiden Depots, die beengte Umkleidesituation, unterdimensionierte Büro-, Schulungs- und Sozialräume sowie der fehlende Alarmfax. „Deutliche Defizite“ gibt es in der allgemeinen Tagverfügbarkeit werktags, bei den Trägern von Atemschutzgeräten und von Führerscheininhabern Klasse 2, C oder CE. Problematisch bleibt eine ausreichende Tagbereitschaft, da viele Wehrleute beruflich auswärts tätig sind – ein Umstand, der zumindest statistisch abends, nachts und an Wochenenden weniger offenbar wird.

Personell kann die Grundsicherung durch die Freiwillige Feuerwehr im Tal durch zwei Einsatzstaffeln gewährleistet werden, heißt es in dem Gutachten, da die Abteilung Obertal über 32 Aktive, die Abteilung Untertal über 42 Aktive verfügt. Diese haben auch ein besonderes Augenmerk zu legen auf so genannte „Brandschaupflichtige Objekte“ (Jugendhäuser, Kindergärten, Hotels, Klosteranlage), die immer wieder als Brandübungsobjekte dienen.

Den Stand der Jugendfeuerwehr bewertete der Experte mit „gut“, dennoch sei bereits eine „leichte Alterstendenz“ vorhanden. Es gelte also, kontinuierlich an der Jugendausbildung „dran zu bleiben“. Von den derzeit 74 aktiven Wehrleuten im Tal sind 16 älter als 50 Jahre und werden in den kommenden Jahren ausscheiden. Der Gemeindeverwaltung empfahl Habeth, Stellenausschreibungen in der Kommunalverwaltung mit dem Wunsch zum Beitritt in die heimische Feuerwehr vorzunehmen.

Die Ist-Situation in Münstertal bewertete der Feuerwehrexperte mit der „insgesamt niedrigen Risiko-Klasse 3 (von 8)“, obwohl sich die weitläufige Verteilung der Bevölkerung im Tal als nachteilig erweise. Nur beim Festhalten der beiden bisherigen Feuerwehrstandorte im Münstertal (Gufenbach im Untertal und Spielweg im Obertal) sei die geforderte Ruf- und Einsatzbereitschaft bis zu 90 Prozent für das besiedelte Wohngebiet im Tal gesichert, zog Habeth auf Nachfrage aus dem Gemeinderat ein klares Fazit. Die Ratsrunde billigte die Fortschreibung bei einer Stimmenthaltung. Eine jedwede Diskussion über eventuelle Fusionen der beiden Wehren oder deren Standorte erübrigte sich von vornherein – auch 45 Jahre nach der Gemeindefusion.
Quelle: Badische Zeitung